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Imme Frahm-Harms, Germanistin

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Michaela Hanken

Das Feuerwehrkaffee: Endlich angekommen

Wer zwei Kinder alleine großzieht, dabei in Vollzeit Wirtschaft und Informatik auf Lehramt studiert und nebenbei noch in der Gastronomie Geld verdient, dem kann wohl uneingeschränkt eine große Portion Energie bescheinigt werden. So wie Michaela Hanken, einer Powerfrau, die an ihrem jetzigen Arbeitsplatz zudem mit Qualität, Ideen und ganz persönlichem Charme überzeugt.

Seit November 2008 steht sie dienstags, donnerstags und samstags mit ihrem roten „Feuerwehrkaffee“ auf dem Oldenburger Pferdemarkt, freitags noch auf dem Wochenmarkt in Rastede. Das mit dem Lehramt war nicht so wirklich ihr Ding. Und der Job im Außendienst, den sie nach dem Studium 2006 bis 2008 ausübte, hatte auch keine Zukunft. „Ich war immer irgendwie auf der Suche und habe vieles ausprobiert.“ Als begeisterter Wochenmarkt-Fan sieht sie im Sommer 2008 in Münster einen Ausschank auf vier Rädern. Davor viele Menschen, die sich unterhalten und dabei eine Tasse Latte Macchiato, einen Espresso oder Heiße Schokolade genießen. „Das ist doch die Idee!“

Jetzt zahlt sich das Wirtschaftsstudium doch noch aus. Sie macht sich Gedanken, schreibt ein Konzept und schaut sich nach dem entsprechenden Inventar um. Als sie im Internet gerade eine Kaffeemaschine ersteigern will, sieht sie, dass derselbe Typ auch ein als Verkaufswagen umgebautes Feuerwehrauto anbietet. „Ich hatte 20 Minuten Zeit, mich zu entscheiden.“ Das ist nicht viel, aber manchmal muss man im Leben eben spontane Entscheidungen treffen. Sie bietet bei diesem Deal alles Geld, das sie noch hat, und bekommt den Zuschlag. Umgehend macht sie sich auf den Weg nach Köln, wo das gute Stück steht.

Auf in den Kampf

Erst danach stellt sie fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen festen Platz auf dem Markt zu bekommen. Die Hürde hat einen Namen: „Marktmeister“. Im September 2008 steht sie dennoch das erste Mal auf dem Wochenmarkt, allerdings in Delmenhorst. Ihr Traum ist jedoch ein Platz auf dem Oldenburger Pferdemarkt.

Sie schreibt weiter Bewerbungen. Doch dort auf dem Pferdemarkt gibt es bereits ein Café, wie besagter Marktmeister ihr ebenso kurz und knapp wie unmissverständlich am Telefon mitteilt. Sie gibt aber nicht auf. „Hartnäckigkeit gehört schon ein bisschen dazu, wenn man sich selbstständig machen will. So schnell lass ich mich nicht ins Bockshorn jagen.“

Dann ist es November, kalt und grau. Jetzt will sie es noch einmal über die freie Platzvergabe versuchen. Wer nämlich morgens um sieben Uhr mit seinem Verkaufsstand vor Ort ist, kann Glück haben, denn sobald jemand ausfällt, wird der Platz anderweitig vergeben. Sie hat Glück und darf ihren mobilen Kaffee-Ausschank neben den Kartoffelhändler Wolfgang Brieger platzieren. Die etwas schroffe Ansage des Marktmeisters: „Aber für Strom müssen sie selbst sorgen.“ Wenn der nette Nachbar nicht wäre …

Auch der Marktmeister sieht schon nach kurzer Zeit ein, dass dieser Wochenmarkt zwei Cafés vertragen kann, zumal das Angebot der beiden gar nicht identisch ist. Sie darf also bleiben. Der bevorstehende Winter schreckt sie nicht, doch „einmal bin ich komplett eingefroren“. Die Pumpe pumpt nicht mehr, der Frost legt das Café still. „Da muss man durch. Schlimm ist es nur, wenn der Winter nicht aufhören will.“ Wie sehr freut sie sich, wenn im Frühjahr die ersten Blumen wieder angeboten werden. Das ist der Moment zum Durchatmen. Viel Zeit bleibt dafür indes nicht, denn es hat sich bereits ein fester Kundenstamm gebildet, der sie auf Trapp hält. (…)

Keine Mogelpackungen

Überhaupt die Tassen: „Was ich von Anfang an favorisiert habe, waren vernünftige Größen und keine Mogelpackungen. Viele Cafés haben in den letzten Jahren zwar die Preise nicht erhöht, wohl aber die Tassen verkleinert.“ Zum Glück gibt es in Oldenburg ein großes schwedisches Kaufhaus, das genau die richtigen Gefäße für Milchkaffee & Co. bereithält. Was den Kauf betrifft, so hat Michaela Hanken ein Prinzip: „Gibt es einen Tag, an dem mein Geschirr nicht ausreicht, stocke ich den Bestand sofort auf. Ich werde dort fast schon mit Handschlag begrüßt.“ (…)

Fragt man sie nach ihrem Erfolgsrezept, so sagt sie: „Ich stehe hinter dem, was ich verkaufe! So lange habe ich in meinem Leben nach der richtigen Tätigkeit gesucht, jetzt bin ich endlich angekommen. Das Feuerwehrkaffee ist genau das Richtige. Außerdem wollte ich schon immer etwas machen, was ein bisschen anders ist. Und nun kann ich bestimmen, wo’s langgeht.“ (…)

aus: Oldenburger Erfolgsprofile,
ISBN 978-3-7308-1079-8

Imme Frahm-Harms · Germanistin (M.A.) · Telefon: 0441/20 13 45 · textur(at)t-online.de
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