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Imme Frahm-Harms, Germanistin

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Hermann Schüller

Klare Sache

Hermann Schüller, Geschäftsführender Gesellschafter der Semcoglas Holding GmbH und der EWE Baskets

Er überlässt nichts dem Zufall. Seine Entscheidungen sind durchdacht, fundiert und erfolgreich. Manchmal braucht er allerdings etwas Zeit. Dann zieht er sich zurück, zum Beispiel an die Küste, blickt aufs Meer, zählt die Wellen und wartet auf die richtige Eingebung. Und die kommt. Irgendwann. Da ist er sich ganz sicher. Ist sie angekommen, folgt er diesem Ruf, denn jetzt weiß er, dass sein Vorhaben das Richtige ist und dass er es schaffen wird.

Diese Momente liegen erst einmal komplett jenseits von wirtschaftlichen Berechnungen oder sonstigem Kalkül. „Ich möchte etwas bewegen, die Dinge voranbringen.“ Es sind Momente, in denen er eine Vision entwickelt. Dass es sich später auch in barer Münze auszahlt, ist „nur“ die Folge des richtigen und wertorientierten Handelns.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, darauf hat sich Hermann Schüller spezialisiert. Das hat früh angefangen. Als Junge schon lernt er, was es bedeutet, unternehmerisch zu denken. Sein Vater leitet in Westerstede einen Großhandel für Farben, Tapeten, Bodenbelag und Glas mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Schüller Junior beweist Durchblick, denn er setzt sich nicht – wie ursprünglich geplant – ins gemachte Nest im Betrieb seines Vaters. Die Vorstellungen der beiden sind einfach zu verschieden. Ebenso mutig wie enthusiastisch geht er ans eigene Werk. Er entwickelt Ideen und ein – im Wortsinn – glasklares Konzept. Dazu nutzt er sein theoretisches Fachwissen, das er sich im Rahmen seines Studiums der Betriebswirtschaft angeeignet hat. Seine praktischen Erfahrungen, die ihm bei seinen regelmäßigen Semesterferien-Jobs zugefallen sind, fügen sich da gut ein. „Das Thema Kundenbeziehung zum Beispiel hatte ich Mitte zwanzig vollständig verinnerlicht.“

Genau das ist der entscheidende Vorteil, als er sich 1977, direkt nach dem Studium, selbstständig macht. Die SCHÜLLER Qualitätsglas GmbH ist geboren. Die Rechnung geht auf! Innerhalb kürzester Zeit prosperiert das Unternehmen auf beeindruckende Weise.

Teamplayer

Eines allerdings muss der erfolgreiche Jungunternehmer zu diesem Zeitpunkt leider aufgeben: seine Karriere in der Basketball-Bundesliga. Vier Jahre war er mit dem Team Bayern München erfolgreich. Der Umzug nach Norddeutschland macht das Weiterspielen in Bayern unmöglich. Doch ohne Basketball geht es nicht. Er braucht den Sport als Ausgleich zum Job. „Es ist wichtig, den Kopf frei zu kriegen, einfach mal alles loszulassen.“ Also wechselt er jetzt zum TSG Westerstede als Spieler, Trainer und Abteilungsleiter – allerdings in die Regionalliga. (…)

Doch Mitte der 1980er-Jahre, also just zu diesem Zeitpunkt, an dem es bei SCHÜLLER Qualitätsglas gerade richtig boomt, schießt der Bonner Wohnungsbauminister Oscar Schneider quer mit seiner Aussage, dass Energie-Einsparungen bei Häusern ausschließlich durch kleinere Fenster zu erreichen seien. Diese Ansicht ist natürlich äußerst kontraproduktiv, wenn man gerade dabei ist, moderne Funktionsgläser zu produzieren, um sie bestmöglich zu vermarkten. Was tun?

Es werde Licht

Schüller lässt sich erst einmal nicht irritieren. Er bleibt gelassen und schließt sich einer Gruppe von Fachleuten an, die eine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika planen. Das Motto dieser Exkursion lautet: Welche Chancen haben neuartige Gläser in der „Neuen Welt“?

Wie erwartet kehrt Hermann Schüller nicht enttäuscht, sondern beflügelt zurück nach Westerstede. Was er in den USA gesehen hat, ist das Gegenteil dessen, was Schneider so unfreundlich formuliert hat. Das Stichwort „Passive Solarenergie“ setzt sich nun in seinem Kopf fest. (…)

aus: echoLOT – Das Magazin des Marketing-Clubs Weser-Ems,
Ausgabe 14

Imme Frahm-Harms · Germanistin (M.A.) · Telefon: 0441/20 13 45 · textur(at)t-online.de
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