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Imme Frahm-Harms, Germanistin

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Eske Nannen / Kunsthalle Emden

Eske Tausendsassa

Sie ist ebenso beweglich wie bewegend, sie spricht schnell und es fällt ihr schwer, berufliche und private Dinge auseinanderzuhalten. Das liegt wohl daran, dass sie – was immer sie anpackt – alles aus vollem Herzen macht. Genau das ist es auch, was die Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden, Eske Nannen, so sympathisch macht. Wenn sie mit ihrer unkomplizierten, authentischen Art auf die Menschen zugeht, hat sie schon gewonnen. Und das ebenso bei Kindern – deren Förderung ein Hauptthema für sie ist –, wie bei Künstlern und Besuchern der Kunsthalle und nicht zuletzt bei potentiellen Sponsoren.

Die „Mutter vons Ganze“

Es gibt nur wenige Menschen, die wie Eske Nannen so weltoffen und zugleich bodenständig sind. Bei ihr scheinen diese Eigenschaften auch überhaupt nicht im Widerspruch zueinander zu stehen. Sie ist einfach wie sie ist „und das ist gut so“! Auf die Frage nach ihrem Erfolg verweist sie sofort auf das gesamte Team, „ohne das hier gar nichts laufen würde“. Das ist sicher richtig, doch im Gespräch mit ihr stoße ich schnell auf die Quelle, auf das Geheimnis ihrer Lebensleistung: Es ist die Liebe, die diese energiegeladene Leib-und-Seele-Frau zu ihrer Arbeit und den Menschen in sich trägt. Verbunden mit dieser Liebe ist für sie auch eine große Dankbarkeit. „Es ist weiß Gott nicht alles selbstverständlich im Leben.“

(…)

„Noch nie hat jemand ohne Raub und Mord so viel Geld geschnorrt“, hat einmal jemand über sie gesagt. Aber da ist sie ganz pragmatisch und kontert: „Wir sollten nicht immer gleich nach dem Staat rufen.“ Dieser Aussage kann man nur noch ein „Selbst ist die Frau!“ hinzufügen. (…)

Um Kindern die Kunst nahe zu bringen, gibt es in der Kunsthalle auch spezielle Audio-Führungen, die in kindgerechter Form durch die Ausstellung begleiten. Ein Konzept, mit dem diese Einrichtung europaweit zum Vorreiter für andere Museen geworden ist. Genauso prägend war übrigens auch Nannens Idee mit einem der ersten deutschen Museumsshops, der 1992 in der Emder Kunsthalle eröffnet wurde.

„Guck mal!“

(…) Ihre Netzwerke – bedingt auch durch viel ehrenamtliche Gremienarbeit – sind äußerst weitreichend. So gibt es enge Verbindungen nach Berlin, München, Wiesbaden, London, New York … „Neulich auf dem Wiener Opernball traf ich …“ oder „Letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse habe ich mit … gesprochen.“ Und noch während sie erzählt über ihre Reisen und Menschen, die Normalsterbliche wie ich nur aus den Medien kennen, springt sie auf, um mir ein Foto, ein Buch oder den wirklich beeindruckenden Ordner mit ihren Reiseplänen zu zeigen.

Es ist wirklich eine große Freude, ihr zuzuhören. Dabei wird eines zwischen den Worten immer wieder deutlich: Ganz gleich, ob sie eine Reise organisiert, einen Vortrag hält, ob sie einen Apfelkuchen backt oder mit dem Gewinner eines Preisausschreibens in ihrem Büro Tee trinkt, sie ist immer ganz bei der Sache. Hier und jetzt!

„Wir brauchen mehr Kreativräume für Kinder“

Und welche Visionen hat diese aufgeräumte, erfolgreiche Eskedampf in allen Gassen? „Ich finde es wichtig, dass die Museen, die Theater und andere Institutionen mehr Kreativräume für Kinder schaffen. Wer schon in frühen Jahren mit Kunst in Berührung kommt, gewinnt etwas fürs Leben, das nie wieder verloren geht.“ In diesem Zusammenhang hat sie übrigens eine Patenschaft der Initiative „Kinder zum Olymp“ übernommen, die von den Kulturstiftungen der Länder organisiert wird. „Wie kann man Museen für viele Millionen aus Steuergeldern bauen und nicht an die Kinder denken?“, fragt sie sich und uns und berichtet über die von ihr initiierte Fragebogen-Aktion, mit der sich die Kulturstiftung der Länder und der Deutsche Museumsbund ganz aktuell einen Überblick über die Situation an den deutschen Museen verschaffen wollen.

So wie sie die Dinge angeht, ist davon auszugehen, dass sich in den kommenden Jahren – eben auch trotz leerer Staatskassen – etwas bewegen wird. „Ich setze immer sehr gerne auf persönliche Kontakte.“ Wie einfach es ist, denke ich und wünsche mir mehr solche Menschen wie Eske Nannen, die mit ihrer Lebenslust und Fröhlichkeit so unschlagbar echt und überzeugend rüber kommt.

aus: echoLOT – Das Magazin des Marketing-Clubs Weser-Ems, Ausgabe 2

Imme Frahm-Harms · Germanistin (M.A.) · Telefon: 0441/20 13 45 · textur(at)t-online.de
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