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Imme Frahm-Harms, Germanistin

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Alterseinsamkeit

Soziale Isolation überwinden
Wege aus der Einsamkeit

Wissenschaftler haben festgestellt, dass einsame Menschen früher sterben. Nun leben viele Ältere alleine, bei manchen ist der Partner verstorben, andere haben sich getrennt. Die Kinder sind aus dem Haus, viele leben oft berufsbedingt nicht einmal in derselben Stadt. Natürlich ist das Alleinsein – übrigens unabhängig vom Alter – nicht immer mit einsam gleichzusetzen. Nichtsdestotrotz gibt es sie: die Alterseinsamkeit.

Die Fachleute unterscheiden zwischen emotionaler und sozialer Einsamkeit. Wer einen geliebten Menschen verloren hat und um ihn trauert, ist emotional einsam. Anders ist es jedoch für die, die das Gefühl haben, nicht mehr dazu zu gehören. Während die emotional Betroffenen die Chance auf Besserung haben, ist es für die schon lange Einsamen oft schwieriger, den Teufelskreis aus Traurigkeit, Enttäuschung und Isolation zu überwinden. Besonders schwierig wird es, wenn auch noch gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzukommen. Fest steht jedoch: Einsamkeit schadet Seele und Körper. Depression, hoher Blutdruck und ein erhöhtes Infarkt-Risiko sind die Folgen.

Viele Ältere haben es über die Jahre verlernt, Kontakte zu anderen aufzunehmen. Der Schriftsteller Alfred Polgar hat einmal geschrieben: „Wenn dich alles verlassen hat, kommt das Alleinsein. Wenn du alles verlassen hast, kommt die Einsamkeit.“ Demnach gibt es also Wege aus dieser aussichtlos scheinenden Situation. Allerdings ist es dafür erforderlich, selbst aktiv zu werden. Wir müssen bereit sein, überholte Einstellungen und das eigene, oft negative Bild von uns selbst zu überwinden. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es in der Bibel. Solange wir uns also selbst nicht annehmen, klappt es auch mit dem Nächsten nicht.

Wer dauernd mit seinem Schicksal hadert, verliert wertvolle Zeit. Besser ist es, sich einen Ruck zu geben und etwas Neues anzufangen. Hier einige Möglichkeiten:

  • ehrenamtlich arbeiten
  • an Seniorentreffs teilnehmen
  • Freunde besuchen
  • Nachbarn einladen
  • Gymnastik in der Gruppe
  • im Chor mitsingen
  • die eigene Lebensgeschichte aufschreiben
  • sich als Leih-Oma engagieren
  • einen Hund aus dem Tierheim ausführen
  • wandern in der Gruppe

Auch wenn es für manche oberflächlich klingt: Um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen. Nicht selten sind solche ersten Sätze der Einstieg in eine ernsthafte Unterhaltung.

Ganz gleich, welchen Weg Sie wählen, Hauptsache Sie gehen einen Weg. Erwarten Sie dabei nicht zu viel, weder von den anderen noch von sich selbst. Und denken Sie daran: „Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt.“

aus: Herbstzeitlese – Die Seniorenzeitung für Oldenburg und umzu, Ausgabe 110

Imme Frahm-Harms · Germanistin (M.A.) · Telefon: 0441/20 13 45 · textur(at)t-online.de
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